Gestern, 21:14 - Wörter:
Hallo Pawy
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erstmal vielen Dank, ich freue mich sehr, dass sich meine Recherchen auszahlen.
Folgendes habe ich in ihrem Lebenslauf ergänzt. Ich hoffe, das macht Nell etwas runder und tiefgründiger. Falls noch etwas fehlt, sag gern Bescheid!
Nell: Mein Leben? Oh Gott. Also…ich bin am 22. April 2005 in London geboren und habe mit meinen Eltern in einem Haus in Clapham gewohnt. Kindheitstechnisch war alles eigentlich ziemlich normal – obwohl, wir waren schon so ‘ne kleine Bilderbuch-Familie. Als ich acht Jahre alt war, hatte ich einen Fahrradunfall: Ich wurde von einem Auto angefahren und stürzte dabei mit dem Kopf auf den Bordstein. Dabei erlitt ich eine Schädelbasisfraktur – das ist ein Bruch am Boden des Schädels – sowie eine schwere Innenohrverletzung. Durch den Aufprall wurden die Haarzellen in meinem Innenohr zerstört, die normalerweise Schall in Nervenimpulse umwandeln. Das führte zu einem starken, irreversiblen Hörverlust auf beiden Ohren. Alles war plötzlich still.
Nach der Operation bekam ich ein Cochlea-Implantat (Anmerkung der Redaktion: Ein Cochlea-Implantat – oder CI – ist ein medizinisches Gerät, das Menschen mit starkem Hörverlust oder Taubheit das Hören ermöglicht) und nichts ging mehr „einfach so“. Geräusche klangen anders, Sprache war anstrengend, Zuhören war plötzlich Arbeit. Ich bin dann auf eine Schule für Gehörlose gegangen und habe dort BSL ( = British Sign Language) und Lippenlesen gelernt. Das war ehrlich gesagt schwerer, als viele denken. Ich war eine der wenigen, die nicht von klein auf taub oder schwerhörig waren. Die anderen kannten diese Welt, die Sprache, die Regeln. Ich kam rein mit einem Körper, der sich noch an Hören erinnern wollte. Freunde zu finden hat gedauert. Ich habe mich oft fremd gefühlt, obwohl ich eigentlich genau da sein sollte. Aber die Zeit dort hat mir gezeigt, dass Kommunikation mehr ist als nur Worte. Eine Erkenntnis, die ich damals gut gebrauchen konnte. Meine alten Freunde hatten sich nach dem Unfall von mir abgewandt. Aber wer kann es ihn verübeln, wir waren ja alle noch Kinder.
Für meinen Vater war das wohl alles ein bisschen viel, und meine Eltern haben sich dann ungefähr ein Jahr nach meinem Unfall getrennt. Seitdem wohne ich mit meiner Mom in einem Apartment in Notting Hill. Mein Vater hat sich schnell eine neue Familie aufgebaut – meine Halbgeschwister mag ich, aber trotzdem fühle ich mich bei Besuchen oft ein bisschen fehl am Platz. Deshalb sehen wir uns nicht mehr so oft.
In der 7. Klasse bin ich dann auf die Sinclair gewechselt – dank Dad’s neuer Stelle, also hört auf mit dem Quoten-Gelaber! Und ja, der Wechsel war wieder… kompliziert. An der Sinclair war ich nicht nur „die Neue“, sondern „die mit dem Ding im Kopf“. Eine der wenigen mit einer sichtbaren Behinderung. Viele wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Manche waren übervorsichtig, andere haben es komplett ignoriert. Beides fühlt sich seltsam an, wenn man einfach nur dazugehören will. Und falls mir doch jemand blöd kommt, kann ich ihm auf zwei Sprachen meine Meinung sagen.
Die Lehrer waren größtenteils bemüht – Mikrofone im Unterricht, Rücksicht bei Gruppenarbeiten – manchmal lief das gut, manchmal weniger. Inzwischen läuft das alles mehr oder weniger rund. Was mir wirklich geholfen hat, waren die Menschen, die einfach geblieben sind. Die gefragt haben, statt zu raten. Die Witze nicht vermieden, sondern geteilt haben. Ich habe nie lange gebraucht, um Anschluss zu finden – meine Mom behauptet ja, ich würde selbst in einem leeren Raum Freunde machen. Ich glaube, ich höre einfach gut zu. Ironisch, ich weiß.
Ich wohne weiterhin zuhause bei Mom, nicht im Internat. Wir sind sowas wie beste Freunde…Ist das armselig? Joa…den Rest habt ihr eigentlich live und in Farbe mitbekommen. Neben der Schule dolmetsche dolmetsche ehrenamtlich bei Konzerten, Theaterstücken und anderen Events, und es macht mir großen Spaß, Menschen zu helfen, die sonst nichts hören könnten.
,erstmal vielen Dank, ich freue mich sehr, dass sich meine Recherchen auszahlen.
Folgendes habe ich in ihrem Lebenslauf ergänzt. Ich hoffe, das macht Nell etwas runder und tiefgründiger. Falls noch etwas fehlt, sag gern Bescheid!
Nell: Mein Leben? Oh Gott. Also…ich bin am 22. April 2005 in London geboren und habe mit meinen Eltern in einem Haus in Clapham gewohnt. Kindheitstechnisch war alles eigentlich ziemlich normal – obwohl, wir waren schon so ‘ne kleine Bilderbuch-Familie. Als ich acht Jahre alt war, hatte ich einen Fahrradunfall: Ich wurde von einem Auto angefahren und stürzte dabei mit dem Kopf auf den Bordstein. Dabei erlitt ich eine Schädelbasisfraktur – das ist ein Bruch am Boden des Schädels – sowie eine schwere Innenohrverletzung. Durch den Aufprall wurden die Haarzellen in meinem Innenohr zerstört, die normalerweise Schall in Nervenimpulse umwandeln. Das führte zu einem starken, irreversiblen Hörverlust auf beiden Ohren. Alles war plötzlich still.
Nach der Operation bekam ich ein Cochlea-Implantat (Anmerkung der Redaktion: Ein Cochlea-Implantat – oder CI – ist ein medizinisches Gerät, das Menschen mit starkem Hörverlust oder Taubheit das Hören ermöglicht) und nichts ging mehr „einfach so“. Geräusche klangen anders, Sprache war anstrengend, Zuhören war plötzlich Arbeit. Ich bin dann auf eine Schule für Gehörlose gegangen und habe dort BSL ( = British Sign Language) und Lippenlesen gelernt. Das war ehrlich gesagt schwerer, als viele denken. Ich war eine der wenigen, die nicht von klein auf taub oder schwerhörig waren. Die anderen kannten diese Welt, die Sprache, die Regeln. Ich kam rein mit einem Körper, der sich noch an Hören erinnern wollte. Freunde zu finden hat gedauert. Ich habe mich oft fremd gefühlt, obwohl ich eigentlich genau da sein sollte. Aber die Zeit dort hat mir gezeigt, dass Kommunikation mehr ist als nur Worte. Eine Erkenntnis, die ich damals gut gebrauchen konnte. Meine alten Freunde hatten sich nach dem Unfall von mir abgewandt. Aber wer kann es ihn verübeln, wir waren ja alle noch Kinder.
Für meinen Vater war das wohl alles ein bisschen viel, und meine Eltern haben sich dann ungefähr ein Jahr nach meinem Unfall getrennt. Seitdem wohne ich mit meiner Mom in einem Apartment in Notting Hill. Mein Vater hat sich schnell eine neue Familie aufgebaut – meine Halbgeschwister mag ich, aber trotzdem fühle ich mich bei Besuchen oft ein bisschen fehl am Platz. Deshalb sehen wir uns nicht mehr so oft.
In der 7. Klasse bin ich dann auf die Sinclair gewechselt – dank Dad’s neuer Stelle, also hört auf mit dem Quoten-Gelaber! Und ja, der Wechsel war wieder… kompliziert. An der Sinclair war ich nicht nur „die Neue“, sondern „die mit dem Ding im Kopf“. Eine der wenigen mit einer sichtbaren Behinderung. Viele wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Manche waren übervorsichtig, andere haben es komplett ignoriert. Beides fühlt sich seltsam an, wenn man einfach nur dazugehören will. Und falls mir doch jemand blöd kommt, kann ich ihm auf zwei Sprachen meine Meinung sagen.
Die Lehrer waren größtenteils bemüht – Mikrofone im Unterricht, Rücksicht bei Gruppenarbeiten – manchmal lief das gut, manchmal weniger. Inzwischen läuft das alles mehr oder weniger rund. Was mir wirklich geholfen hat, waren die Menschen, die einfach geblieben sind. Die gefragt haben, statt zu raten. Die Witze nicht vermieden, sondern geteilt haben. Ich habe nie lange gebraucht, um Anschluss zu finden – meine Mom behauptet ja, ich würde selbst in einem leeren Raum Freunde machen. Ich glaube, ich höre einfach gut zu. Ironisch, ich weiß.
Ich wohne weiterhin zuhause bei Mom, nicht im Internat. Wir sind sowas wie beste Freunde…Ist das armselig? Joa…den Rest habt ihr eigentlich live und in Farbe mitbekommen. Neben der Schule dolmetsche dolmetsche ehrenamtlich bei Konzerten, Theaterstücken und anderen Events, und es macht mir großen Spaß, Menschen zu helfen, die sonst nichts hören könnten.




